Ellen MacArthur Stiftung fordert Umdenken bei Textilien

15.05.2018 – Wegbereiter einer Kreislaufwirtschaft für Kleidung

Die Ellen MacArthur-Stiftung fordert ein Umdenken bei Textilien. Ein Best Practice liefert Kilenda: Der Mietservice für Kinderkleidung war für die GreenTec Awards nominiert.
Ellen MacArthur Stiftung fordert Umdenken bei Textilien

Wegbereiter einer Kreislaufwirtschaft für Kleidung

Die Modeindustrie beschäftigt weltweit Millionen Arbeitnehmer, generiert jährlich höhere Umsätze und erreicht nahezu jeden Menschen. Die Kehrseite der Medaille: Kleidung wird in immer kürzeren Zeiträumen ausgetauscht – verbunden mit entsprechend höheren Ressourcenverbräuchen und CO2-Emissionen. Geschätzt werden mehr als die Hälfte aller produzierten Kleidungsstücke innerhalb von weniger als einem Jahr weggeworfen, so ein Ergebnis des Reports „A New Textiles Economy“.

Zwischen 2000 und 2015 erhöhte sich das globale Bruttoinlandsprodukt um 50 Prozent. Zeitgleich verdoppelte sich die Zahl der verkauften Kleider auf über 100 Milliarden Stück, während sich die Nutzungsdauer weltweit um 36 Prozent reduzierte. Diese Daten zeigen den Autoren zufolge, dass bei Textilien die Entkopplung des Ressourcenverbrauchs vom Wohlstandniveau noch nicht geglückt sei. Wenn dieser Trend nicht bald aufgehalten werde, so die Autoren weiter, steige der prozentuale Beitrag der weltweiten Kleiderproduktion zum CO2-Ausstoß von aktuell zwei Prozent auf 26 Prozent im Jahr 2050.

Vier Phasen einer New Textiles Economy

Wenn die Modeindustrie demgegenüber jedoch zügig umdenkt und eine neue „textile Ökonomie“ etabliert, die den Prinzipien der Kreislaufwirtschaft folgt, könnte sie im Jahr 2030 weltweit rund 160 Milliarden Euro zusätzlich erwirtschaften, schätzen die Experten. Ziel müsse es nun sein, Kleider, Stoffe und Fasern nach ihrem Gebrauch möglichst umfassend wieder einer Nutzung zuzuführen und Abfall zu vermeiden. Der Weg hin zu einem solchen Kreislaufmodell gelingt der Ellen MacArthur-Stiftung zufolge in vier Schritten:

  1. Sicherstellen, dass keine besorgniserregenden Stoffe in den Textilien verarbeitet werden und kein Mikroplastik mehr in die Umwelt gelangt.
  2. Die Art und Weise verändern, wie Kleidung designt, verkauft und gebraucht wird, damit aus Wegwerfware nachhaltige Nutzware wird.
  3. Recycling und Ökodesign bei Textilien konsequent vorantreiben.
  4. Ressourcen für die Herstellung von Kleidung effizienter nutzen als zuvor und auf erneuerbare Materialien setzen.

Nachhaltige Kleidernutzung bei Kilenda

Ansätze für ein solches Kreislaufmodell bieten unterschiedliche Anbieter bereits heute. Auf die „Sharing Economy“ setzt beispielsweise Kilenda, eine Marke des Interseroh-Tochterunternehmens Relenda: Der Online-Mietservice stellt unter anderem Umstandsmoden und Kinderkleidung unterschiedlichster Größen zur Miete bereit. Kunden können die Ware online auswählen, nach Gebrauch zurücksenden und durch andere oder größere Teile ersetzen. So werden Kleidungsstücke über lange Zeit im Nutzungszyklus gehalten, die andernfalls oftmals nur wenige Male getragen und dann entsorgt werden.

Mit seinem Geschäftsmodell trägt Kilenda nachweislich zum Ressourcen- und Klimaschutz bei: Durch die Vermietung von Kinderkleidung hat der Mietservice bis heute bereits mehr als 370 Millionen Liter Wasser und 184 Tonnen CO2 eingespart. Und schaffte es mit seinem nachhaltigen Ansatz nicht zuletzt unter die Top 3 in der Kategorie „Lifestyle“ bei den diesjährigen GreenTec Awards, die am vergangenen Sonntag im Rahmen der Abfallwirtschaftsmesse IFAT in München verliehen wurden. (KR)

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(Foto: Stihl024/fotolia.om)


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