Berufe in der Abfallwirtschaft

21.03.2018 – Kraftfahrerin: „Mehr Frauen sollten den Lkw-Führerschein wagen“

Berufe in der Abfallwirtschaft: Nicole Rollko ist Kraftfahrerin aus Leidenschaft. Als Botschafterin für die ALBA Group wirbt sie für mehr Frauen in ihrem Job.
Berufe in der Abfallwirtschaft

Kraftfahrerin: „Mehr Frauen sollten den Lkw-Führerschein wagen“

21.03.2018 • 08:57 Uhr – Stillstehen passt nicht zu Nicole Rollko. Die 44-jährige Berufskraftfahrerin ist täglich mit dem Absetzkipper rund um Heilbronn unterwegs, um Container für Gewerbeabfälle bei Kunden abzuladen oder einzusammeln. Als Botschafterin für den Recyclingspezialisten ALBA Group wirbt sie für mehr Frauen in ihrem Berufszweig.

Der Arbeitstag von Nicole Rollko beginnt früh, und stets mit guter Laune: „Wenn andere sich noch ärgern, dass sie aufstehen müssen, bin ich schon fit wie ein Turnschuh“, sagt die 44-Jährige. Bei der ersten Tasse Kaffee um halb sechs geht sie die Aufträge des Tages mit ihrem Mann durch, spätestens um sechs Uhr tritt das Ehepaar gemeinsam den Dienst an: als Kraftfahrer bei der ALBA Heilbronn-Franken GmbH, das zu dem Recyclingdienstleister und Rohstoffversorger ALBA Group gehört.

Zu ihren zentralen Aufgaben zählt es, mit Gewerbeabfällen, Sperrmüll oder anderen Gütern beladene Mulden abzuholen, sie auf dem Betriebshof des Recyclingunternehmens zu leeren – und anschließend dorthin zu transportieren, wo sie als nächstes gebraucht werden. „Wenn ich meine Aufträge früher als gedacht erledigt habe, helfe ich meinen Mann bei seinen Jobs, und umgekehrt. Wir sind ein gut eingespieltes Team“, so Nicole Rollko. Die Heilbronnerin genießt es, jeden Arbeitstag gemeinsam mit ihrem Mann zu beschließen.

Von der Bäckereifachverkäuferin zur Berufskraftfahrerin

Seit sieben Jahren arbeitet Nicole Rollko inzwischen als Kraftfahrerin für das Entsorgungsunternehmen, ihr Mann ist seit 17 Jahren dabei. Auch wenn das tägliche Unterwegssein ihr liegt – zum Lkw-Führerschein kam sie über Umwege. Ihre Laufbahn startete Nicole Rollko als Bäckereifachverkäuferin, wechselte später zu einem Kühlkost-Anbieter. Nach der Elternzeit – sie ist Mutter einer inzwischen 21-jährigen Tochter – übernahm sie als selbstständige Fahrerin die Transporte für einen Automobilzulieferer.

Als das Geschäft im Jahr 2010 wegbrach, kam die Chance für den Wechsel: „Das Arbeitsamt bot mir an, meinen Lkw-Führerschein zu finanzieren, da ich bereits Erfahrung als Fahrerin im Gewerbe hatte.“ Nicole Rollko nahm das Angebot an. Sie war bereits mehrfach auf einem Sattelzug mitgefahren und mochte das Zusammenspiel aus Freiheit und Verantwortung, das den Beruf als Kraftfahrerin ausmacht: „Am Lkw-Fahren gefällt mir einfach alles.“ Nach der Umschulung bewarb sie sich bei ALBA – und bekam die Stelle.

Container für alles

Inzwischen kennt Nicole Rollko in einem 60-Kilometer-Radius rund um Heilbronn jeden Winkel wie ihre Westentasche. Zu den gewerblichen Kunden, die sie regelmäßig mit ihrem Absetzkipper besucht, gehören neben Bauunternehmen und größeren Konzernen auch die Salzwerke der Umgebung. Seit einigen Monaten fährt sie auf der Großbaustelle der Bundesgartenschau, die 2019 in Heilbronn stattfindet, ein und aus. Hier sorgt sie dafür, dass für die Arbeiten vor Ort genügend Container bereitstehen, um Gewerbeabfälle wie Betonteile, Holz oder Folien umweltgerecht zu entsorgen.

Für den Fall, dass sie einmal Gefahrgut transportieren soll, liegt im Lkw stets eine Schutzausrüstung bereit – neben dem obligatorischen Feuerlöscher auch eine Schutzbrille und Schutzhandschuhe. Doch selbst Hand an die Abfälle anlegen muss die Kraftfahrerin nicht. Wenn alles läuft wie geplant, sind die Absetzmulden bei der Abholung ordentlich gefüllt und die Deckel geschlossen.

Wegen Überfüllung geöffnet

Ausnahmen gibt es allerdings auch. Wenn etwa ein Container überfüllt ist oder Hindernisse auf der Baustelle das Absetzen behindern. Dann ist schnelle Problemlösung gefragt. „Überfüllte Mulden sind ein Sicherheitsrisiko, weil sie sich dann nicht schließen lassen und Gegenstände beim Transport herausfallen können“, so Nicole Rollko. „Erst wenn der Kunde die überschüssigen Mengen entnimmt, kann ich die Mulde mitnehmen.“

Doch auch wenn es einmal Verzögerungen gibt – die 44-Jährige bleibt gelassen. Ihr Credo: Wer freundlich ist, wird mit Freundlichkeit belohnt. Für ihre offene Art wird Nicole Rollko von vielen Kunden geschätzt und mitunter sogar explizit angefordert. „Manchmal steht auf dem Auftragszettel für ALBA: ‚Bitte die Frau schicken’. Das freut mich jedes Mal“, sagt sie.

Mehr Frauen in die Führerhäuschen

Rund 80 Fahrer arbeiten aktuell für ALBA in Heilbronn. Vier von ihnen sind Frauen. Dass sich so wenige weibliche Kräfte an den Beruf des Kraftfahrers herantrauen, kann Nicole Rollko nicht ganz nachvollziehen. Überfordert oder benachteiligt fühlt sie sich jedenfalls nicht: „Von meinen Kollegen gab es noch nie einen komischen Kommentar. Wir kommen bestens miteinander aus und helfen einander, wann immer es nötig ist.“ Und auch von Kunden kam bislang keine Kritik. Stattdessen: viel Lob und Empfehlungen.

Dafür, dass sich künftig mehr Menschen an den Lkw-Führerschein heranwagen, wirbt Nicole Rollko derzeit als Gesicht der Kampagne „Kraftfahrer/in gesucht“, die die ALBA Group vorletztes Jahr gestartet hat. Ihr Ziel: vor allem weiblichen Interessenten die Angst vor dem Beruf nehmen. Frauen und Lkw, ist Nicole Rollko überzeugt, passen gut zusammen. Bald werden die Werbeplakate mit ihrem Konterfei auch in Heilbronn zu sehen sein. Auf die Reaktionen von Kunden, Kollegen und Familie ist sie schon sehr gespannt.

„Lieber schaffen als rumsitzen“

Die Heilbronnerin ist stolz darauf, dass ihre Arbeit als Kraftfahrerin dazu beiträgt, die Ziele der Kreislaufwirtschaft zu unterstützen. Auch privat hat sie längst verinnerlicht, dass ihr Arbeitgeber ein Recyclingunternehmen ist: Für jede Abfallsorte hat sie zuhause die passende Tonne aufgestellt – und wird wie auch ihr Ehemann von Nachbarn regelmäßig als „Müllratgeber“ befragt.

Nicole Rollko liebt große Fahrzeuge. Doch privat fährt sie inzwischen einen Kleinwagen. Die meisten freien Wochenenden und manche Urlaube verbringt das Kraftfahrer-Ehepaar in ihrem Wohnwagen auf einen Campingplatz bei Heilbronn. Dieses Jahr allerdings soll es ins warme Ausland gehen: an die spanische Mittelmeerküste. Doch gleich wie schön die Auszeiten sind, irgendwann sehnt sich das Kraftfahrer-Ehepaar stets wieder zurück auf ihre Absetzkipper. Für Nicole Rollko ein gutes Gefühl: „Wir schaffen nunmal lieber, als dass wir rumsitzen.“ (KR)

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(Foto: ALBA Group)


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