Serie: Berufe in der Abfallwirtschaft

Pfandgut in besten Händen

Serie "Berufe in der Abfallwirtschaft": recyclingnews schaut Uwe Lauf über die Schulter, Betriebsleiter eines Pfandzählzentrums in Oberhausen.
Serie: Berufe in der Abfallwirtschaft

Ein Berufsporträt in Zusammenarbeit mit RECYCLING magazin

08.09.2014 – Im Oberhausener Pfandzählzentrum der INTERSEROH Pfand-System GmbH behält Uwe Lauf den Überblick. Der Betriebsleiter sorgt dafür, dass täglich Tausende Einweggebinde mithilfe von Hightech-Maschinen gezählt, sortiert und zu Rohstoffbriketts verpresst werden.

Von außen betrachtet ist der Arbeitsplatz von Uwe Lauf eher unscheinbar: eine ehemalige Düngemittel-Lagerhalle mitten in einem Oberhausener Gewerbegebiet. Doch im Inneren der 200 Meter langen Halle verbirgt sich eines der modernsten Pfandzählzentren in Deutschland. Bei genauem Hinschauen fallen die vergitterten Fenster ins Auge. „Eine unserer vielen Sicherheitsmaßnahmen“, erklärt Uwe Lauf, der Betriebsleiter am Standort. „Schließlich kommen hier Gebinde mit einem Pfandwert von mehr als 12.000 Euro pro Lkw an.“ Beobachtet von mehreren Sicherheitskameras, werden die Lkw im Zweischichtbetrieb entladen. Pro Wagen fallen bis zu 200 Säcke an, prall gefüllt mit bis zu 250 Pfandgebinden: PET-Flaschen, Alu- oder Weißblechdosen und Glasflaschen – vor allem Einweg-Leergut aus dem Einzelhandel, der nun auf die Rückerstattung des Pfands wartet. Damit das schnell geschieht, sieht der Handel sportliche Zählfristen vor: „Sobald ein Sack mit Pfandgebinden hier entladen wird, müssen wir sie innerhalb von 48 Stunden zählen und entwerten“, erklärt Uwe Lauf.

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Wertvolle Rohstoffe für die Industrie

Betreiber des Oberhausener Pfandzählzentrums ist die INTERSEROH Pfand-System GmbH. Die Kölner Tochter des Rohstoffversorgers und Recyclingdienstleisters ALBA Group übernimmt die Vermarktung der gepressten Pfandgebinde und sorgt dafür, dass sie als hochwertige Rohstoffe wieder in Umlauf kommen. Das Unternehmen kümmert sich auch um das Clearing – also die Pfandabrechnung mit den Einzelhändlern. Voraussetzung dafür sind exakte, personalisierte Daten. Dass diese fehlerfrei ermittelt und weitergeleitet werden, darüber wacht der 53-jährige Betriebsleiter gemeinsam mit der Clearingstelle. Er koordiniert seine neun Mitarbeiter am Standort, überwacht die Anlieferungen und bestellt die fälligen Abtransporte. Die Prozesse kennt Uwe Lauf aus dem Effeff: Bereits die Errichtung des Pfandzählzentrums im Jahr 2006 hat er mit begleitet.

Dabei hatte der gebürtige Dorstener und glühende Schalke-Fan ursprünglich gar keine Berührungspunkte mit der Kreislaufwirtschaft: „Ich bin quasi auf Kohle geboren.“ Seine Karriere begann der gelernte Betriebsschlosser ganz klassisch in einer Kokerei und arbeitete unter anderem als Leiter einer Hydraulikabteilung – bis ihn die große Schließungswelle Anfang der 1990er-Jahre eher zufällig in das Recyclinggewerbe „spülte“. „Ich habe mich aus dem Bauch heraus auf eine Stelle als Schichtführer in Oberhausen bei der Repasack GmbH hier am Standort beworben. Ohne zu wissen, was Repasack genau macht“, sagt Lauf, und lacht. Die Repasack GmbH, ebenfalls eine Tochter der ALBA Group, bietet der Industrie ein deutschlandweit einzigartiges System zur Rücknahme und Verwertung von gebrauchten Kraftpapiersäcken an. Auch die moderne Recyclinganlage ist in der 200 Meter langen Halle in Oberhausen untergebracht, und auch für sie ist Uwe Lauf als Betriebsleiter zuständig – seit Mai 2006 ist das Pfandzählzentrum mit dabei.

Hightech-Zählung am laufenden Band

Ob Kraftpapiersäcke recyceln oder Pfandgebinde zählen und sortieren – das Team ist für den Betriebsleiter das A und O: „Ohne meine Mitarbeiter läuft hier nix.“ Doch wenn an einem Tag alle angelieferten Pfandgebinde gezählt werden, hängt das maßgeblich von einem weiteren Faktor ab: den Hightech-Aggregaten. „Wir haben hier enorme Durchsätze von 5.000 bis 7.000 Gebinden pro Stunde, und zwar auf jeder einzelnen Maschine. Da ist es wichtig, dass alles wie geschmiert funktioniert, damit wir die 48-Stunden-Frist einhalten“, sagt Uwe Lauf. Damit die Hochleistungszählanlagen für Pfandgebinde, kurz HLZ, ihre Arbeit tun können, müssen zunächst die Säcke mit den Pfandgebinden aus den Lkw gehoben und gescannt werden. Jeder Sack trägt dafür einen Talon mit einem Barcode, der auch als Kundennummer des Einzelhändlers dient. Schließlich muss jede Flasche und jede Dose am Ende des Prozesses dem richtigen Händler zugerechnet werden.

Nun leeren die Mitarbeiter den Inhalt des Sacks in eine Schütte, wo eine Mitnehmerkette die Gebinde einzeln aufnimmt. Über diese „Einweg-Achterbahn“ gelangt jedes Gebinde einzeln in das Herzstück der Anlage: die Leseeinheit. Blitzschnell liest hier eine von acht speziellen Kameras das Pfandgut aus und speist alle Informationen in das IT-System ein: Größe des Gebindes, Inhalt, Einweg oder Mehrweg, PET-Flaschen bunt oder transparent, Aluminium- oder Weißblechdosen oder Glasflaschen. Gleichzeitig prüfen die Kameras mithilfe eines Beleuchtungskörpers das Sicherheitskennzeichen auf den Flaschen-Labels – und sorgen dafür, dass Fälschungen umgehend ausgeschleust werden. „Pfandbetrüger versuchen immer wieder ihr Glück“, sagt Uwe Lauf. „Aber die Technologie zur Erkennung von Betrugsfällen wird immer feiner, irgendwann sind sie wahrscheinlich gar kein Thema mehr.“

Hochmoderne Maschinen im Dauereinsatz

Nachdem die Gebinde die Leseeinheit verlassen, landen sie auf einer Sortierstrecke, wo sie eine Druckluftdüse genau ihrer Klassifikation entsprechend ausschleust. Zuletzt gelangt das Leergut in eine Presse, wo daraus farb- und sortenreine „Pfandgut-Briketts“ entstehen, fertig für das Recycling. Uwe Lauf mustert das Presswerk. „Wir investieren demnächst in neue Presstechnik, um die Verfügbarkeit unserer Anlage weiter sicherzustellen.“

Sicherheit wird im Pfandzählzentrum groß geschrieben. Vor der Inbetriebnahme hat eine Umweltkanzlei das Zählzentrum im Auftrag der DPG zertifiziert. „Wir müssen jedes Jahr nachweisen, dass unsere Anlagen weiterhin nach Vorschrift laufen und wir eine bestimmte Fehlerquote nicht überschreiten“, sagt Uwe Lauf. „Das verlangt schließlich auch der Handel.“ Im Kontakt mit den Unternehmen liegt mitunter die schwierigste Aufgabe für den Betriebsleiter. „Es kommt vor, dass Händler Flaschen von Konsumenten zurücknehmen und Pfand auszahlen, obwohl die Banderole fehlt oder der Barcode abgekratzt wurde. Der Händler tut das meist aus Kulanz, wir haben diese Option jedoch nicht, sprich: Diese Flaschen gelangen nicht ins Clearing.“ Die Maschine schleust jedes Gebinde, das nicht gezählt werden kann, automatisch aus – es landet in der so genannten „No-Reach-Station“ und wird, meist per Fotonachweis, akribisch dokumentiert.

Demnächst steht sogar ein neuer Rekord an: Das 500-millionste Pfandgebinde wird Ende 2014 das Pfandzählzentrum Oberhausen durchlaufen. Auf seinen Beitrag zu diesem Erfolg ist Uwe Lauf stolz. „Man hat mir bei Interseroh die Chance gegeben, mich als Betriebsleiter zu beweisen. Und ich denke, ich beweise dem Unternehmen jeden Tag, dass ich den Recyclinggedanken lebe und diese Aufgabe erfolgreich erfülle.“

Erschienen in der aktuellen Ausgabe 17/2014 RECYCLING magazin.

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(Foto: ALBA Group)


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