Berufe in der Abfallwirtschaft

19.09.2018 – Fuhrparkleiterin: „Das Unternehmen lebt von den Menschen“

Berufe in der Abfallwirtschaft: Fuhrparkleiterin Annette Fürstenberg nutzt jede Chance, etwas für ihre Mitarbeiter in der Region Oberhavel zu bewegen.
Berufe in der Abfallwirtschaft

Fuhrparkleiterin: „Das Unternehmen lebt von den Menschen“

19.09.2018 • 08:59 Uhr – Annette Fürstenberg spricht gerne Klartext. Diese Einstellung hilft der Fuhrparkleiterin dabei, Verantwortung für ihre Mitarbeiter und die Fahrzeugflotte zu übernehmen – und in der Region Oberhavel etwas zu bewegen.

Wenn Annette Fürstenberg morgens zwischen sechs und sieben zur Arbeit kommt, wirft sie als erstes einen Blick auf das Betriebsgelände. Steht kein Fahrzeug auf dem Hof, atmet sie auf: „Dann weiß ich: Alle Kollegen sind gesund und der Fuhrpark rollt. Der Tag kann nur gut werden.“ Seit 20 Jahren arbeitet sie als Fuhrparkleiterin in Velten.

Die 58-Jährige verantwortet die Fuhrparks gleich zweier Entsorgungsunternehmen: Die AWU Abfallwirtschafts-Union Oberhavel GmbH, ein Beteiligungsunternehmen der ALBA Group, sammelt im Auftrag des Landkreises Oberhavel Abfälle der privaten Haushalte ein – darunter Restabfälle, Sperrmüll oder Papier – und gibt sie ins Recycling. Die fünf Kilometer entfernt ansässige AWU-Tochter Grunske Metall Recycling GmbH bedient unter anderem mit einem gewerblichen Containerdienst den Bereich Oberhavel und Berlin und erfasst beispielsweise die Gelben Säcke.

Gelebter Recyclinggedanke

Entsprechend vielfältig kommt die Fahrzeugflotte daher, deren Bestand Annette Fürstenberg überwacht: Von klassischen Müll- und Containerfahrzeugen über Kehrmaschinen bis zu Fäkalienabsaugfahrzeugen ist alles dabei. Die technische Kontrolle der Flotte, der Ein- und Verkauf sowie die Kostenüberwachung gehören zu ihrem Kerngeschäft.

Dennoch liegt der Fokus der Fuhrparkleiterin auf den Mitarbeitern: „Das Unternehmen lebt von den Menschen, nicht von den Fahrzeugen“, sagt sie. Was ihre Teams bei jedem Wetter schaffen, um eine ordnungsgemäße Entsorgung der Abfälle sicherzustellen, sei die wahre Leistung. „Deshalb haben wir doch alle mal hier angefangen. Um den Recyclinggedanken zu leben und die Welt für künftige Generationen zu erhalten.“

„Wer nicht zufrieden ist, hat es selbst in der Hand“

In der Abfallbranche sind weibliche Führungskräfte wie Annette Fürstenberg noch immer eine Rarität. Umso passender erscheint der Spruch, den ein Schild in ihrem Büro ziert – das Geschenk eines Geschäftsführers: „Suche: fünf fleißige Männer oder eine Frau.“

Wer nicht zufrieden ist, der habe es selbst in der Hand, das zu ändern. Nach dieser Devise lebt und leitet Annette Fürstenberg. Als sie 1992 bei der AWU Oberhavel einstieg, zunächst in der Mahnbuchhaltung, nahm sich die zweifache Mutter vor, etwas zu bewegen und Prozesse mitzugestalten. Nach mehreren Stationen im Unternehmen ergab sich die Gelegenheit, in den Bereich des Technischen Leiters zu wechseln. Im Jahr 1999 dann konnte sie selbst die Leitung des AWU-Fuhrparks in Velten übernehmen. Eine anstrengende, aber lohnende Zeit, sagt sie heute.

Etwas zu bewegen – dieses Ziel vor Augen, führte Annette Fürstenberg im Jahr 2000 erstmals Seitenlader für die kommunale Altpapier- und Restabfallsammlung ein. „Viele zweifelten damals daran, dass man hier im Landkreis die Behälter ordnungsgemäß am Straßenrand bereitstellen würde“, erklärt sie. Doch die Vorteile gegenüber der Hecklader lagen auf der Hand: Die Fahrer leeren die Behälter vom klimatisierten Führerhaus aus. Sie müssen nicht mehr auszusteigen, die Arbeit gelingt schneller, effizienter und wirtschaftlicher. Mit diesen Argumenten überzeugte das Unternehmen schließlich auch die Kommune von dem Wechsel.

Ein offenes Ohr für die Mitarbeiter

2012 übernahm Annette Fürstenberg zusätzlich die Fuhrparkleitung für die Grunske Metall Recycling GmbH. Damit ist sie heute für insgesamt 90 Fahrzeuge, 133 Kraftfahrer und acht Disponenten verantwortlich. Regelmäßig stehen deshalb auch Gespräche mit den Mitarbeitern auf der Agenda.

Wenn Probleme auftauchen, hilft Annette Fürstenberg ihren Fahrern jederzeit gerne weiter. Mit einer Einschränkung: „Ich erwarte, dass jeder nach bestem Wissen und Gewissen arbeitet und bei Fragen zu mir kommt. Wenn ich aber zu hören bekomme, was alles nicht möglich ist, macht mich das stocksauer.“ In solchen Momenten, das wisse ihr Team, trage sie das Herz auf der Zunge. „An Herzdrücken werde ich jedenfalls nicht sterben“, erklärt sie und lacht.

Aufbau des Ausbildungszentrums IAZ Oberhavel

Um ihre Mitarbeiter auf dem Stand der Technik weiterzubilden, stellte Annette Fürstenberg vergangenes Jahr einmal mehr etwas Neues auf die Beine. Unterstützt von ihren Geschäftsführern, initiierte sie den Aufbau und Betrieb eines Weiterbildungszentrums. Mit Erfolg: Anfang 2018 öffnete das Interdisziplinäre Ausbildungszentrum für Verkehr und Entsorgung, kurz IAZ Oberhavel, seine Tore.

Eine zukunftsweisende Initiative, die deutschlandweit Schule machen könnte: „Hier können wir gezielt auf die Fragen der Kraftfahrer eingehen und genau das schulen, was in der Unternehmensfamilie gebraucht wird“, erklärt Annette Fürstenberg, die das Ausbildungszentrum in einer Doppelspitze der Geschäftsführung gemeinsam mit Göran Kronberg führt.

Familie, der beste Ausgleich

Unternehmen und Familie – das gehört bei Annette Fürstenberg eng zusammen. Bereits ihr Vater arbeitete bei ALBA, und auch ihr Sohn, Speditionskaufmann und Betriebswirt, stieg als Disponent bei der Firma Grunske ein. Er bildet sich derzeit fort, um später als Ausbilder im IAZ Oberhavel mitzuwirken.

Egal ob Annette Fürstenberg die Weiterbildung ihrer Fahrer organisiert, die Fuhrparkkosten kontrolliert oder Mitarbeitergespräche führt – die Arbeit bereitet ihr jeden Tag Freude, und an Rente denkt sie noch lange nicht. Allerdings kehrt die 58-Jährige ebenso gerne jeden Abend in den kleinen Ort Liebenwalde zurück, wo sie mit ihrem Mann lebt und viel Zeit mit ihren zwei erwachsenen Kindern, deren Partnern und den vier Enkelkindern verbringt. Das, sagt sie, ist der perfekte Ausgleich im Leben. (KR)

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(Foto: ALBA Group)


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