Reportage vor Ort

25.01.2018 – Bioabfall in der Vergärungsanlage – kein Platz für Plastik

Was geschieht mit Abfällen aus der Biotonne? recyclingnews hat den Verwertungsprozess bei ALBA verfolgt. Die größte Herausforderung: Kunststoffreste im Abfall.
Reportage vor Ort

Bioabfall in der Vergärungsanlage – kein Platz für Plastik

Um 6 Uhr morgens herrscht reger Betrieb bei der ALBA Braunschweig GmbH in der Frankfurter Straße. Gleich mehrere Abfallteams bereiten die Sammelfahrzeuge auf die bevorstehende Tagestour vor. Insgesamt 40 Mitarbeiter des Umweltdienstleisters sorgen zu jeder Jahreszeit dafür, dass die insgesamt 36.000 Biotonnen im Braunschweiger Stadtgebiet zuverlässig und nach einem festen Turnus geleert werden.

Die gesammelten Bioabfälle – neben Lebensmittelresten auch Gartenabfälle wie Blumenerde, Stroh oder Sägespäne – landen in der ALBA-eigenen Vergärungsanlage, wo sie mithilfe von Mikroorganismen zersetzt und anschließend zu Kompost aufbereitet werden. Das dabei entstehende Gas wird – ganz im Sinne einer ganzheitlichen Kreislaufführung – im Blockheizkraftwerk des nahe gelegenen Abwasserverbands zur Stromgewinnung genutzt; die entstehende Abwärme wiederum verwendet ALBA größtenteils für den Verarbeitungsprozess in der Vergärungsanlage.

Ans Eingemachte: Sortierung und Zerkleinerung der Abfälle

Bevor die Vergärung beginnen kann, startet ALBA einen umfangreichen Zerkleinerungs- und Sortierprozess. Zunächst wird der Abfall in einer ersten Mühle grob zerkleinert. Dabei werden die einzelnen Bestandteile der Bioabfälle voneinander gelöst – so lassen sich Fremdstoffe wie Metalle, Glas oder Stein in dem Gemisch besser erkennen und heraussortieren.

Zwar sind Störstoffe in der Biotonne eigentlich tabu, gelangen aber dennoch regelmäßig hinein. „Bioabfall kann aber nur dann zu einem hochwertigen Produkt verarbeitet werden, wenn er völlig sauber ist“, so Matthias Fricke, Geschäftsführer der ALBA Braunschweig GmbH.

Das zerkleinerte Material fährt über ein Förderband in eine Trommelsiebmaschine, die Mineralik herausfiltert. Ein Magnetabscheider zieht anschließend alle Eisenmetalle heraus – mitunter treten dabei neben Dosen auch Besteck und sogar Gartenscheren zu Tage. Am folgenden Sortierband durchsucht ein Metalldetektor den Materialstrom noch einmal nach Nichteisenmetallen. Zugleich sammelt ein Mitarbeiter grobe Fremdstoffe wie Steine und größere Kunststoff-Fetzen heraus.

Plastiktüten werden schnell zum Problem

Insgesamt hat die ALBA Braunschweig im vergangenen Jahr 1.950 Tonnen Fremdstoffe aus dem Bioabfall heraussortiert – darunter neben Steinen, verpackten Lebensmitteln oder Windeln auch Kunststoffe, insbesondere Plastiktüten. „Viele Verbraucher werfen ihren Bioabfall zwar ordentlich in die Biotonne“, so Fricke. „Doch sie werfen ihn mitsamt der Plastiktüte hinein, in der er gesammelt wurde. Der Kunststoff gehört dabei absolut nicht in die Bio-, sondern in die Wertstofftonne.“

Denn der Kunststoff wird in der Sortierung des Bioabfalls schnell zum Problem. Größere Stücke könne man zwar noch manuell entfernen. Doch bei der Zerkleinerung wird jede Plastiktüte in etwa 200 Plastikschnipsel zerrissen. Diese sind oft so dicht mit dem Bioabfall vermischt, dass sie sich gar nicht mehr heraussortieren lassen – und letztendlich in kleinen Mengen in den Kompost gelangen. „Und Plastik will wirklich niemand im Feld oder Gemüsegarten haben“, so Fricke.

Um das zu verhindern, startet ALBA in Braunschweig in diesem Jahr die Initiative „BIO? LOGISCH OHNE PLASTIK!“. Sie soll Verbraucher über den richtigen Umgang mit Bioabfall aufklären. Ökologisch unbedenkliche Alternativen zur Plastiktüte gibt es einige: Hierzu gehören Zeitungspapier, Papiertüten oder auch Tüten aus biologisch abbaubarem Kunststoff. „Für die Bürger wäre es nur eine kleine Änderung ihres Trennverhaltens. Für den Kompost aber wäre es eine weitere Qualitätssteigerung“, sagt Matthias Fricke. 

Große Stücke manuell entfernen

Nach der Sortierung und der Beseitigung der Fremdstoffe ist der Kompost natürlich noch nicht fertig. Erst durchläuft der Bioabfall noch die Vergärung. Dafür wird er in einer weiteren Mühle fein zermahlen, was die Oberfläche des Materials vergrößert und den mikrobiellen Abbau fördert. Nun erfolgt noch eine Vermengung mit Prozesswasser, was den Gärvorgang weiter unterstützt.

Per Pumpe gelangt das Gemisch in den Fermenter, das Herzstück der Vergärungsanlage. Für 16 bis 24 Tage lagert der Bioabfall im Gär-Reaktor bei einer konstanten Temperatur von 55 °C, wobei er hygienisiert wird und sich langsam zersetzt. In diesem Prozess entsteht zugleich das wertvollste Nebenprodukt der Bioabfall-Verwertung: das Biogas.

Das übrige, fertig vergorene Biomaterial wird wieder entwässert, in einer Nachrottehalle ausgelüftet und anschließend mit Kompost aus der Freiflächenkompostierung im Verhältnis 1:1 gemischt: Fertig ist der nährstoffreiche Kompost. ALBA gibt ihn direkt auf dem Betriebsgelände an Verbraucher, aber auch landwirtschaftliche Betriebe ab.

Noch viel Potenzial bei Bioabfall

Jedes Jahr stellt ALBA in Braunschweig auf diesem Weg rund 25.000 Kubikmeter Kompost her. Damit ließe sich ein Fußballfeld 2,50 Meter hoch mit Kompost füllen. Die hohe Qualität des Braunschweiger Komposts wird durch ständige Laboranalysen und das RAL-Gütezeichen Kompost gesichert.

Auch wenn Matthias Fricke stolz auf die gut funktionierende Bioabfall-Verwertung in Braunschweig ist – es gebe noch Luft nach oben, vor allem in puncto Stoffreinheit. Ab August 2018 gelten zudem höhere Grenzwerte für Fremdstoffe im Kompost. Nicht zuletzt deshalb wirbt der Geschäftsführer der ALBA Braunschweig GmbH gerne für einen bewussten Umgang mit Bioabfällen: „Aus Bioabfall lässt sich ein werthaltiges Produkt herstellen, das den Boden verbessert und wichtige Nährstoffe liefert. Die einzige Voraussetzung dafür ist sauberes Material.“ Dann, so Fricke, könne Kreislaufwirtschaft zu hundert Prozent gelingen. (KR)

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(Foto: ALBA Group)


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