ALBA ist „am Zug“: Aito Garcia Reneses, Cheftrainer ALBA BERLIN und Dr. Axel Schweitzer, Vorstandsvorsitzender der ALBA Group sowie Aufsichtsrat und Vereinspräsident von ALBA BERLIN, steuern die Mannschaft durch das Ver- und Entsorgungszentrum mit seinen 5 Kilometer langen Versorgungswegen unter dem Potsdamer Platz.
Reportage vor Ort: ALBA räumt Veranstaltungsgelände auf

22.08.2017 – Airbeat One-Entsorgung: Was vom Festival übrig blieb

Wie viel Abfall produzieren Techno-Fans? Genug, um eine Wohnung neu einzurichten, weiß Juliane Leistikow von ALBA. Entsorgungs-Reportage vor Ort.
Reportage vor Ort: ALBA räumt Veranstaltungsgelände auf

Airbeat One-Entsorgung: Was vom Festival übrig blieb

„Es sieht fast so aus, als wäre hier ein Hurrikan durchgewirbelt“, beschreibt Juliane Leistikow den Anblick, der sich ihr nach vier Festivaltagen auf dem Flugplatz nahe Schwerin bietet. Tatsächlich liegen auf dem weitläufigen, von Wald umrahmten Gelände in Mecklenburg-Vorpommern zahllose Gegenstände kreuz und quer verstreut: Zwischen zurückgelassenen Zelten und Stühlen stehen ein Sofa und ein Kühlschrank, liegen Vorhänge, alte Schuhe und andere Kleidungsstücke. Hinzu kommen übriggebliebene Bühnenteile und viele Lebensmittelabfälle.

Es handelt sich um die Hinterlassenschaften der Besucher, Künstler und Organisatoren von Airbeat One, dem größten Festival für elektronische Tanzmusik in Norddeutschland, das hier seit 2002 jedes Jahr im Sommer stattfindet. In diesem Juli waren rund 150 Acts und DJs aus mehr als 20 Nationen zu Gast – und spielten ihre Elektromusik auf insgesamt fünf Bühnen, die größte davon eine 130 Meter lange Nachbildung des Capitols in Washington. Zum Rahmenprogramm gehörte außerdem ein Jahrmarkt samt Riesenrad und Bungee-Turm. Vier Tage lang feierten, tanzten und lebten auf dem Gelände insgesamt etwa 45.000 Menschen im friedlichen Miteinander. Ein neuer Besucherrekord.

Müllgebühr für sechs Kilo Abfall pro Kopf

Rekordverdächtig ist auch die Abfallmenge, die sich im Laufe der Veranstaltung ansammelt: Insgesamt sind es durchschnittlich etwa sechs Kilo pro Techno-Fan. Deren umweltschonende Entsorgung liegt in den Händen von Juliane Leistikow und ihrem Team der ALBA Nord sowie einem Aufräumtrupp eines externen Dienstleisters – stets in enger Abstimmung mit dem Auftraggeber: dem Veranstalter des Festivals. Mit ihm arbeitet das ALBA Group-Tochterunternehmen bereits seit vielen Jahren eng zusammen.

Für die Entsorgung des Festivals nimmt der Veranstalter inzwischen auch die Besucher in die Pflicht. Seit einigen Jahren zahlen sie zusammen mit dem Camping-Ticket eine „Müllgebühr“. Eine sinnvolle Maßnahme, findet Juliane Leistikow: „So sieht jeder Festivalbesucher direkt beim Ticketkauf, dass seine Abfälle professionell entsorgt werden – und dass das nicht umsonst geschehen kann.“ Besser wäre es nur, so die Recyclingexpertin, wenn die Techno-Fans gar nicht erst so viel Abfall produzieren oder ihn einfach selbst wieder mitnehmen würden. Dann ließe sich die Gebühr in ein Pfandgeld umwandeln. „Doch bis es so weit sein kann, werden wir vermutlich noch auf vielen Festivals entsorgen“, sagt sie.

Zwei Wochen Arbeit für vier Tage feiern

Für die ALBA Nord ist die Airbeat One-Entsorgung stets eine besondere Herausforderung. Schließlich handelt es sich um Abfälle aller Fraktionen – von Altholz, Papier, Glas und Restabfall über Kunststoffe, Textilien und Sperrmüll bis hin zu Metallen und Elektrogeräten. Mit den Jahren hat der Recyclingspezialist immer mehr Erfahrung gesammelt – inzwischen entsorgt das Unternehmen seit 2012 die Abfälle des Airbeat One-Festivals. Die Projektmanagerin hat in diesem Jahr ein Team von vier Fahrern für Hecklader und Kranwagen sowie einen 40-köpfigen Aufräumtrupp zusammengestellt.

Sie alle sorgen dafür, dass auf dem Flugplatz nach zwei Wochen intensiven Räum-, Reinigungs- und Sammelarbeiten wieder Ordnung herrscht. Bis dahin werden täglich rund zehn Abrollcontainer auf dem Gelände verteilt und gefüllt – soweit möglich fein sortiert nach Abfallarten. Darauf schwört Juliane Leistikow ihre Mannschaft täglich ein.

Container-Bergung, eine schlammige Angelegenheit

Der zeitintensiven und anstrengenden Aufgabe stellt sich das Team gerne. Vielleicht auch, weil sie das medienträchtige, friedliche Elektromusik-Festival gerne im Kreis Ludwigslust haben. „In den zwei Wochen, in denen hier richtig Bambule herrscht, leisten alle tolle Arbeit. Keiner beschwert sich über Überstunden oder über mieses Wetter“, so Juliane Leistikow.

Schwierig wird es dann aber doch noch aufgrund des starken Regens, der nach ein paar Tagen einsetzt: Ein Container versinkt während der Arbeiten ein Stück weit im Schlamm. Erst als der Regen nachlässt und der Boden trockener wird, können die Fachkräfte mithilfe des Kranwagens sprichwörtlich den Karren aus dem Dreck ziehen. Als die Projektmanagerin von der Aktion erzählt, lacht sie: „Ohne Humor funktioniert bei uns gar nichts. Und ohne Schlamm funktioniert kein Festival.“

Leerer Flugplatz, volle Container

Als schließlich der letzte Plastikbecher aufgesammelt und der letzte Abrollcontainer abgeholt ist, sieht der Flugplatz fast so aus wie vorher – nur die Grünflächen sehen aus, als ob sie noch etwas Regenerationszeit benötigen. Aber mit etwas Regen und Sonne geht das in wenigen Wochen, sagt Juliane Leistikow. Bei der ALBA Nord zieht man derweil eine positive Bilanz des diesjährigen Entsorgungs-Projekts: Insgesamt hat das Team ganze 50 Container mit rund 270 Tonnen Abfällen gefüllt, die im nächsten Schritt, nach Stoffströmen getrennt, möglichst umfassend recycelt werden.

Zeit für Freude über das erfolgreich abgeschlossene Projekt bleibt Juliane Leistikow jedoch wenig. Das nächste Event – die Entsorgung im Anschluss an ein Goa-Festival im September – ist bereits mitten in der Planungsphase. (KR)

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(Foto: LorenzoTnc)


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