Berufe in der Abfallwirtschaft: Construction Manager

02.07.2018 – Wie baut man einen Elektroschrott-Recyclingpark?

Berufe in der Abfallwirtschaft: Mario Schulze hat als Construction Manager in Hongkong den bislang größten Einzelauftrag der ALBA Group zum Erfolg geführt.
Berufe in der Abfallwirtschaft: Construction Manager

Wie baut man einen Elektroschrott-Recyclingpark?

„Ich habe noch nie zuvor ein Projekt in dieser Komplexität erlebt. Was wir hier in kurzer Zeit geschaffen haben, darauf können alle Beteiligten stolz sein.“ Als Construction Manager war Mario Schulze federführend an der Planung und dem Aufbau der Hongkonger Recyclinganlage für Elektroschrott beteiligt – der ersten und größten Anlage vergleichbarer Art in ganz Südostasien. Für das Regierungsprojekt der Stadt Hongkong hatte der internationale Recyclingspezialist ALBA Group im Jahr 2015 eigens ein Joint Venture mit IWS, einem Hongkonger Experten für Entsorgungslogistik, gegründet.

Innerhalb von knapp drei Jahren sollten auf dem rund 30.000 Quadratmeter großen Gelände die neue Recyclinganlage, alle Gebäude sowie die gesamte Infrastruktur geplant, gebaut und in Betrieb genommen werden. „Das ist ein sportlicher Zeitplan, bei dem jeder Schritt perfekt organisiert sein muss“, erklärt der 53-jährige Berliner.

Mit der Aufnahme des Betriebs sollen künftig auf dem Gelände des Parks 56.000 Tonnen Elektro- und Elektronikschrott jährlich in zwei Schichten sortiert und recycelt werden. Auch wenn diese Dimensionen gewaltig sind: Der gelernte Bauingenieur ist schon seit vielen Jahren mit der Errichtung von Recyclinganlagen vertraut. So verantwortete er beispielsweise bereits im Jahr 2012 für die ALBA Group den Aufbau von Anlagen zur mechanisch-biologischen Stabilisierung in Polen.

Familienprojekt Hongkong

Um das Großprojekt „Hong Kong WEEE Park“ optimal überwachen zu können, verlagerte Mario Schulze im November 2015 seinen Lebensmittelpunkt von Berlin nach Hongkong – eine Familienentscheidung, die er gemeinsam mit seiner Frau und seinen zwei Kindern, damals 11 und 14 Jahre alt, traf. Dennoch fiel ihm das Einleben in der neuen Welt nicht immer leicht: „Wir hatten anfangs keinen Arzt, keine Freunde, keinen Friseur. Alle Netzwerke und die Infrastruktur, die wir zuhause hatten, mussten wir uns hier neu erarbeiten.“

Während die beiden Kinder eine deutsche Schule in der Stadt besuchten und die Ehefrau das Familien-Management übernahm, begann für Mario Schulze die „spannendste und härteste Zeit“ seines Lebens. Täglich klingelte der Wecker um 5.30 Uhr. Abends kam der Construction Manager nicht vor 20 Uhr von der Baustelle zurück. Die Tage waren prall gefüllt mit Planungs- und Bauarbeiten und der Koordination des multinationalen Teams.

Straffer Zeitplan

Unter dem prüfenden Fachblick des Bauingenieurs wuchsen in nur wenigen Monaten die Halle und Nebengebäude des neuen Recyclingparks heran. „Ich habe noch nie in so kurzer Zeit so viel Beton gegossen“, sagt Schulze. „Wir haben eine wahre Festung gebaut.“ Gleichzeitig entstand aus einzelnen Bauteilen die Recyclingtechnik vor Ort. Neben der Annahme und einem Zwischenlager beinhaltet die Konstruktion parallel mehrere Behandlungsmodule für so genannten „regulierten“ Elektroschrott: vom Kühlschrank über Flatscreens bis hin zu Waschmaschinen, Klimaanlagen und IT-Equipment. All diese Geräte werden nun in Hongkong in einer großen Anlage verarbeitet.

Das Kniffligste an dem Projekt, so Schulze, waren der straffe Zeitplan und der eng gesteckte Kostenrahmen: „Wenn das Angebot aus dem Jahr 2013 stammt, die Arbeiten 2016 starten und ab 2017 recycelt wird – dann ist ein enormes Maß an Weitsicht und Koordination erforderlich, um in einem Markt, der sich ständig verändert, Erfolg zu haben.“ Auch an den Wochenenden ließ Mario Schulze das Projekt „WEEE Park“ meist nicht los. Kleine Auszeiten mit der Familie gönnte er sich dennoch. „Mal über ein Wochenende nach Hanoi zu fliegen, das haben wir uns nicht nehmen lassen.“

Strahlkraft eines Recyclingparks

Am Ende zahlten sich die Anstrengungen aus: Am 19. März dieses Jahres wurde der „Hong Kong WEEE Park“ feierlich eröffnet. Seitdem läuft die Elektroschrott-Recyclinganlage in der rund 7.200 Quadratmeter großen Halle, bestehend aus Annahmebereich, Zwischenlagerung und Verarbeitungsbereich, auf allen Linien. Mehr als 140 Mitarbeiter werden in den kommenden Jahren dafür sorgen, dass hier der Elektro- und Elektronikschrott der Millionenmetropole fachgerecht zerlegt und die Wertstoffe umweltschonend in den Materialkreislauf zurückgeführt werden.

Der WEEE Park ist ein Projekt mit Strahlkraft, sagt Mario Schulze. Denn zum ersten Mal kommt in Honkong das Verursacherprinzip im Recyclingbereich zur Anwendung. Zudem besaß die Stadt trotz der rund sieben Millionen Einwohner bislang noch kein etabliertes Entsorgungs- und Recyclingsystem. „Deshalb hat die Recyclinganlage eine riesige Bedeutung für die Stadt und eine Signalwirkung für die asiatischen Anrainer-Staaten“, so Schulze. Nicht zuletzt zahlt das Projekt auch auf Chinas Fünfjahresplan ein, der einen Schwerpunkt auf die Themen Umwelt- und Ressourcenschutz legt.

Verbraucher für neue Entsorgungswege gewinnen

Mario Schulze ist stolz, dass er mit der ALBA Group deutsches Umwelttechnologie-Fachwissen in die Welt tragen konnte. „Regelmäßig kommen Besuchergruppen her, die erstaunt vor der Anlage stehen und sagen, so etwas haben sie noch nie gesehen. Und ich muss sagen, ich auch nicht.“ Künftig, weiß der Construction Manager, liege es an der Regierung, bei der Bevölkerung für die neu geschaffenen Entsorgungsstrukturen zu werben: „Dass Altgeräte zum Verkäufer zurückgegeben werden müssen, statt sie wegzuwerfen, muss sich jetzt erst einmal in den Köpfen der Menschen festsetzen.“

Mit Beginn der zehnjährigen Betriebsphase des Recyclingparks, die nun folgt, ist der Job des Bauingenieurs vor Ort erledigt. Wenn alle Restarbeiten beendet sind, will Mario Schulze deshalb mit seiner Familie nach Deutschland zurückkehren – und dort seine Arbeit bei ALBA in Berlin wieder aufnehmen. Aber zunächst freut sich der Familienvater darauf, tief durchzuatmen: „Als erstes fahre ich mit meinem Boot auf den See zum Angeln. Das habe ich wirklich vermisst.“ (KR)

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(Foto: ALBA Group)


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