Verfahrenstechnik aktuell

11.10.2016 – Vakuumverdampfer recycelt Wasser, Öl und Energie

Mit dem neuen Hightech-Vakuumverdampfer erzielen die Sonderabfallexperten der ALBA Group in Dunningen ein Höchstmaß an Energie- und Ressourceneffizienz.
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Vakuumverdampfer recycelt Wasser, Öl und Energie

Der Geruch in der Sonderabfall-Behandlungsanlage der ALBA Süd in Dunningen ist etwas gewöhnungsbedürftig: In der Halle lagern in Dutzenden kleineren Gebinden Säuren, Laugen und Öle, die mitunter schon mal streng riechen können. An die Geräuschkulisse hingegen gewöhnt man sich schnell: Ein brummendes Rauschen hallt durch den 50 mal 30 Meter großen Betrieb. Es stammt vom Elektromotor des erst im Sommer neu installierten Vakuumverdampfers – eine hochmoderne Anlage zur Aufbereitung von Kühlschmierstoffen und ölhaltigen Prozesswässern.

12.000 Tonnen Jahreskapazität

Rund 5 Meter lang, 2 Meter breit und 3,5 Meter hoch ist das geschlossene Aggregat, das ein wenig wie ein Kühlhaus anmutet. Bis zu 12.000 Kubikmeter Industrieabwasser verarbeitet die Maschine pro Jahr. Wie der Aufbereitungsprozess funktioniert, ist von außen nicht zu beobachten, sondern lässt sich nur beschreiben; er findet hoch automatisiert im Inneren des Aggregats statt.

Eingespeist werden vor allem alte Kühlschmierstoffe – etwa aus der Automobilindustrie, wo die öligen Emulsionen bei der Bearbeitung von Metallen als Schmiermittel verwendet werden. Bislang hatte ALBA sie lediglich mit Saugwagen abgeholt, in Dunningen zwischengelagert und für die Aufbereitung oder Entsorgung zu externen Verwertern transportiert. „Mit dem Vakuumverdampfer nehmen wir die Wertschöpfung selbst in die Hand“, erklärt Holger Seel, Betriebsstättenleiter der Sonderabfall-Behandlungsanlage.

Reinigung nach Vorbild der Natur

Kernaufgabe des Verdampfers ist es, das Wasser aus den ölhaltigen Emulsionen herauszulösen, aus dem sie meist zu rund 90 Prozent bestehen. Vorab zieht ein sogenannter Kratzbandförderer größere Verunreinigungen wie Metallspäne noch aus der Prozessflüssigkeit heraus, die anschließend in Vorratstanks gelagert wird. Daraus zieht sich der Verdampfer je nach Füllstand automatisch neues Material.

Es startet ein punktgenau bemessener Destillationsvorgang: Nach Vorbild der Natur erhitzt die Maschine die Flüssigkeit so weit, bis das Wasser verdampft; als reines Destillat wird es vollständig getrennt von Öl wieder aufgefangen. Das destillierte Wasser nutzt Holger Seel in seinem Sonderabfall-Betrieb teilweise zur Reinigung seiner Lagerbehälter. Den Rest der reinen Flüssigkeit leitet er ab. Es gelangt nach einer strengen Qualitätsprüfung in die regionalen Klärwerke.

Perfekter Recycling-Brennstoff

In der Maschine bleibt eine ölähnliche Substanz zurück: das sogenannte Konzentrat. Es handelt sich um ein höchst heizwertreiches Material, das sich als Ersatzbrennstoff einsetzen lässt – beispielsweise zum Brennen von Zementklinkern, in einem Kraftwerk oder in einer Müllverbrennungsanlage, die zur Stützfeuerung Öl verwendet. „Unser Ersatzbrennstoff brennt wie Frischöl, ist aber unter ökologischen Gesichtspunkten der klare Sieger. Ein perfekter Recycling-Brennstoff“, so Seel.

Das Innovativste an der Anlage, erklärt der Betriebsstättenleiter, ist ihr hohes Maß an Energieeffizienz. Unter Vakuum verdampft das Wasser im Aggregat bereits bei rund 85 statt 100 Grad Celsius, was Heizenergie einspart. Zusätzlich führt der Verdampfer die Wärme intern im Kreislauf, unter anderem mithilfe eines Wärmetauschers. So bleibt sie stets im System erhalten und wird immer wieder zur Erhitzung neu eingespeister Flüssigkeit verwendet. Bis zu 95 Prozent der Energie lässt sich auf diesem Weg insgesamt „recyceln“. Einzig der Antrieb der Vakuumpumpe benötigt zusätzlichen Strom.

Gut fürs Klima

Rund 1.500 Liter Prozessabwässer kann das Aggregat bei ALBA in Dunningen pro Stunde verarbeiten, das im Normalbetrieb rund um die Uhr und vollautomatisch läuft, inklusive Spül- und Reinigungsprogramm. Lediglich zwei Mitarbeiter kontrollieren den Betrieb des Verdampfers und die Qualität des eingespeisten und abgeleiteten Materials. Holger Seel lässt derzeit jährlich Jahr rund 8.000 Tonnen ölhaltiger Prozessabwässer bei Kunden abholen. Bei einer Höchstkapazität von rund 12.000 Tonnen ist da noch Luft nach oben.

Seel freut sich über das Potenzial des neuen Aggregats. Dank des Verdampfers kann er künftig rund die Hälfte der vormals nötigen Lkw-Transporte einsparen, schätzt er: „Wir müssen schließlich das Wasser nicht mehr ‚spazieren fahren’, da es getrennt entsorgt wird. Das spart Treibhausgase, ist wirtschaftlicher und freut unsere Kunden in der Umgebung, denen wir schneller wieder zur Verfügung stehen.“ Zudem, so der Betriebsleiter, könne man gerade rund um Dunningen mit einem ressourceneffizienten Aggregat punkten. Denn im Schwarzwald, ist er überzeugt, sind nachhaltige Lösungen besonders begehrt. (KR)

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(Foto: ALBA Group)


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