Reportage vor Ort

11.06.2015 – Demontage der Stahlriesen – Portalhubwagen-Recycling live

Nach zehn Jahren in der Containerlogistik haben Portalhubwagen ausgedient. Dann werden sie fachmännisch recycelt. Vor-Ort-Reportage bei ALBA Metall Nord.
Reportage vor Ort

Demontage der Stahlriesen – Portalhubwagen-Recycling live

In diesen Tagen werden Timo Schneider, Regionalcenterleiter Business Administration bei der ALBA Metall Nord GmbH, und seine Kollegen immer wieder auf die zehn Portalhubwagen angesprochen, die seit einigen Wochen auf dem Schrottplatz in Wilhelmshaven stehen. Jeden Monat verarbeitet das Tochterunternehmen des internationalen Recyclingdienstleisters ALBA Group hier bis zu 10.000 Tonnen unterschiedlichste Metall- und Nichteisen-Metalle. Ausgemusterte Containerhubwagen aus deutschen Seehäfen waren allerdings bislang noch nicht darunter.

„Die Portalhubwagen sind allein aufgrund ihrer Maße ein Hingucker“, findet Timo Schneider. Jedes der 70 Tonnen schweren Fahrzeuge nimmt die Grundfläche eines Lkw ein und reckt sich auf vier Stahlbeinen etwa 15 bis 20 Meter in die Höhe. Am Ende ihrer Dienstzeit als Containertransporteure – etwa nach zehn Jahren Dauereinsatz im Dreischichtbetrieb in deutschen Seehäfen – sind die Hubwagen bereit für das Recycling. „Wenn die Reifen und die Kabine entfernt sind, bleibt im Wesentlichen Stahlschrott übrig, in geringen Teilen auch Nichteisen-Metalle wie Aluminium und Kupfer aus den Kabeln oder Platinen“, erklärt Timo Schneider. Und genau diese Ausbeute macht das Geschäft mit den Portalhubwagen für den Schrott- und Metallrecyclingbetrieb in Wilhelmshaven am Jadebusen so interessant.

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Schweißarbeiten in schwindelnder Höhe

Vor dem Weiterverkauf müssen die werthaltigen Einzelteile der Hubwagen zunächst extrahiert werden. Und die Demontage der Metallriesen ist in vielerlei Hinsicht eine Herausforderung: „Wir nutzen die 60.000 Quadratmeter hier auf dem Schrottplatz bereits sehr effizient. Da ist höchste Präzision gefragt, wenn wir die Portalhubwagen vom Transportschiff auf unser Gelände verladen. Schließlich brauchen unsere Mitarbeiter genug Platz für die Demontage“, so Schneider.
Die Grobzerlegung der Wagen erfordert ebenfalls eine Menge Fingerspitzengefühl – und Schwindelfreiheit. In zehn Metern Höhe arbeiten Spezialkräfte in einem Kabinenkran, von dem aus sie die Großbauteile des Portalhubwagens mit einem Kabel sichern und anschließend mit einem Schweißbrenner abtrennen. Um diese Arbeit zügig und effektiv zu erledigen, kooperiert ALBA Metall Nord eigens mit einem Unternehmen, das sich auf Großmontagen und Abbrucharbeiten spezialisiert hat. Und während die Portalhubwagen Bauteil für Bauteil demontiert werden, startet das ALBA-Team am Boden bereits mit der Feinarbeit. Alle Großteile, die der Kran herunterhebt, müssen mit dem Brenner auf Stahlwerksgröße zugeschnitten werden.

Vom Stahlträger zum Autoblech

Insgesamt sind acht Recycling-Experten drei Tage lang im Einsatz, um einen Portalhubwagen von A bis Z fachgerecht zu demontieren. Der enorme Aufwand lohnt sich – auch in puncto Ressourcenschonung: „Das Besondere an Stahlschrott ist, dass er sich eins zu eins als Sekundärrohstoff weiterverwerten lässt, ohne Qualitätsverlust“, so Timo Schneider. Nach der Zerlegung transportieren die ALBA-Mitarbeiter den Stahlschrott schließlich per Lkw oder Waggon zum Stahlwerk, wo das Material erhitzt und zu Blechen ausgewalzt und aufgerollt wird. Anschließend können die Bleche an verarbeitende Unternehmen geliefert werden, etwa an das VW-Werk in Emden. „So kann es gut sein“, sagt Timo Schneider, „dass wir heute einen Portalhubwagen zerlegen, der schon in drei Monaten wieder als Neuwagen über unsere Straßen rollt.“

Erfahrene Mitarbeiter als Kapital

Stahlschrotte wie etwa die ausgemusterten Portalhubwagen sind hart umkämpft. Wer das Geschäft – ob mit Reedereien oder anderen Kunden – erfolgreich abschließt, entscheidet sich vor allem durch die Nähe zu den Lieferanten, erklärt der Prokurist bei ALBA Metall Nord. „Bei uns sind die Mitarbeiter das Kapital. Gerade für die Ein- und Verkäufer ist es zentral, eine persönliche Beziehung zu den Geschäftskontakten aufzubauen, sie über die Jahre gut zu pflegen und natürlich mit hochwertigen Produkten und Dienstleistungen zu überzeugen. Nur so können wir gute Abschlüsse erzielen und langfristig am Markt bestehen.“ (KR)

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