Ausbildungsberufe in der Recyclingbranche

30.05.2018 – Ausbildung mit Zukunft: Fachkraft für Kreislaufwirtschaft

Die Schule ist aus – was nun? recyclingnews präsentiert die vielfältigen Ausbildungen in der Recyclingbranche. Folge 1: Fachkraft für Kreislauf- und Abfallwirtschaft.
Ausbildungsberufe in der Recyclingbranche

Ausbildung mit Zukunft: Fachkraft für Kreislaufwirtschaft

„In einer Zeit, in der Umwelttechnologien immer wichtiger werden, brauchen wir in ganz Deutschland fachlich interessierten Nachwuchs“, sagt Halil Eroglu. Der 45-jährige Fach- und Betriebswirt leitet den Bereich Technik, Anlagen, Plätze (TAP) der ALBA Stuttgart GmbH – und ist dabei unter anderem für alle Auszubildenden in der Region Württemberg zuständig. Eroglu erklärt: „Wir haben 16 Recycling- und Sortieranlagen in der Region. In jeder Anlage könnten wir drei Fachkräfte ausbilden, mit der Chance auf Übernahme. Doch aktuell haben wir nur fünf junge Frauen und Männer.“

Newcomer unter den Ausbildungsberufen

Anders als „klassische“ Ausbildungsberufe wie etwa Müllwerker gehört die Fachkraft für Kreislauf- und Abfallwirtschaft noch zu den Newcomern, erklärt Eroglu. In der ALBA Group wird die Ausbildung deutschlandweit erst seit rund fünf Jahren angeboten – dementsprechend kennen viele Schülerinnen und Schüler den Ausbildungsberuf noch gar nicht.

Oft haben sie anfangs zudem noch Vorbehalte gegenüber der Arbeit mit dem Abfall: „Sie müssen erst erkennen, dass sich unsere Arbeit nicht um Müll dreht, sondern um das Sortieren und die Zurückgewinnung von wertvollen Materialien und den Vertrieb von Recycling-Rohstoffen“, so Eroglu. „Unsere Arbeit trägt ganz praktisch zum Umweltschutz bei und ist eine wichtige, zukunftsgerichtete Aufgabe, die es immer geben wird.“

Praktikum nimmt die Angst vor dem Abfall

Um die Berührungsängste mit dem Abfall zu verlieren, dürfen Interessierte bei einem einwöchigen Praktikum bei ALBA in Stuttgart die unterschiedlichen Stationen und Arbeitsfelder der Ausbildung kennenlernen – und im Wortsinn in den Beruf ‚hineinschnuppern’: „Viele sorgen sich, dass sie hier mit stinkenden Hausmüll arbeiten. Aber wir behandeln vor allem Abfälle aus Gewerbe-Betrieben, die viel mehr Wertstoffe enthalten und per se weniger riechen, zum Beispiel Holz, Metalle und Verpackungen“, erklärt Eroglu. Natürlich müsse man sich an die Gerüche gewöhnen, doch das gehe schnell: „Meist riecht man es nach zwei Wochen schon gar nicht mehr.“

Nichtsdestotrotz: Scheu vor Dreck sollten Bewerber nicht haben, die sich für eine Arbeit in der Kreislauf- und Abfallwirtschaft interessieren. Wer sich aber der Herausforderung stellt, den erwartet ein spannendes, breites Tätigkeitsfeld, das von der Wartung und Reparatur von Sortieranlagen über das Fahren von Radladern und die Bedienung von Schredder und Schere bis zur Kundenberatung und dem Vertrieb von Recycling-Rohstoffen reicht.

Fachkraft für Kreislauf- und Abfallwirtschaft: die Voraussetzungen

Generelle Bedingung für den Ausbildungsstart sind ein Interesse an Umwelttechnik und ein Realabschluss oder ein Hauptschulabschluss mit guten Noten in Mathematik und Chemie. Auch Studienabbrecher und Berufserfahrene, die sich fachlich umorientieren möchten, sind bei der ALBA Group willkommen. Für sie, sagt Eroglu, steht einem guten Berufsstart in der Kreislaufwirtschaft nichts mehr im Weg.

Und der beginnt bei dem Recyclingspezialisten stets mit einem großen Auftakt: Die Unternehmenszentrale lädt einmal im Jahr alle Auszubildenden der ALBA Group aus ganz Deutschland zu einem Begrüßungstag nach Berlin ein. Anschließend folgt ein Einführungstag in Stuttgart, bei dem die Neueinsteiger aus der Region von den Azubis im zweiten und dritten Lehrjahr begrüßt werden und Tipps zum Einstieg erhalten.

Von Praxisblöcken und Teambuilding

Während der dreijährigen Ausbildung wechseln sich Praxisblöcke im Betrieb mit Blockunterricht in der Berufsschule ab. In den Praxisphasen stehen immer neue Schwerpunkte auf dem Programm: Von der Werkstatt geht es beispielsweise zu den Sortieranlagen und dann in den Bereich Sondermüll, wo die Azubis alles über die chemische Zusammensetzung und Entsorgung der Sonderabfälle lernen. Anschließend stehen Vertrieb und Kundenberatung auf dem Plan. Bei Fragen gibt ein Ansprechpartner aus dem jeweiligen Bereich Schützenhilfe und führt Feedback-Gespräche.

Um den Teamzusammenhalt am Standort Stuttgart zu stärken, hat sich Halil Eroglu außerdem etwas Besonderes ausgedacht. Jedes Jahr stellt er die Azubis vor eine Gemeinschaftsaufgabe, die sie zusammen lösen müssen. Zuletzt galt es, innerhalb einer Woche Palettenmöbel herzustellen. „Bei diesem Projekt ziehen alle an einem Strang, das ist gut für die Gruppe“, sagt Eroglu. „Die fertigen Möbel stehen jetzt bei uns in der Hauptverwaltung, und wir können stolz sagen: Das haben unsere Azubis geschafft.“

Wer sich gut anstellt, kommt weiter

Nach ihrem Abschluss stehen den Absolventen viele Türen in der ALBA Group offen, erklärt Halil Eroglu. Dass sich Engagement im Unternehmen auszahlt, weiß er auch aus eigener Erfahrung. 1991 kam Eroglu als Recyclingwerker zur ALBA Group, qualifizierte sich nebenberuflich weiter und machte unter anderem seinen Fachwirt und Betriebswirt. „Jeder hat selbst in der Hand, was aus ihm wird.“ Das ist das Motto von Halil Eroglu – und der Tipp, den er jedem seiner Auszubildenden an die Hand gibt. „Denn wer sich gut anstellt, bekommt vielleicht die Chance, später selbst mal eine Recycling-Anlage zu leiten.“ (KR)

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(Foto: ALBA Group/Amin Akhtar)


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