Einsparungen von 175 Mio. t Primärenergie pro Jahr möglich

10.03.2017 – Mit Ökodesign zur Energiewende – die Zeit drängt

Die EU-Kommission hat einen neuen Arbeitsplan für Ökodesign veröffentlicht. Wie viel Potenzial liegt wirklich in der umweltfreundlichen Produktgestaltung?
Einsparungen von 175 Mio. t Primärenergie pro Jahr möglich

Mit Ökodesign zur Energiewende – die Zeit drängt

2009 trat die Ökodesign-Richtlinie der EU bereits in Kraft – sie setzt seither den europäischen Rechtsrahmen für eine umweltgerechte Gestaltung energieverbrauchs­relevanter Produkte. Das Strategiepapier der EU-Kommission soll Unternehmen nun eine Anleitung an die Hand geben, wie sie die Vorgaben tatsächlich umsetzen können. Europaweit, so die Autoren, könnten danach ab 2020 bis zu 175 Millionen Tonnen mehr Primärenergie pro Jahr eingespart werden.

Energieintensive Produktgruppen im Fokus

Der Arbeitsplan rückt vor allem die Produktgruppen mit dem größten Energie­sparpotenzial in den Fokus. Dazu zählen die Autoren unter anderem Kompressoren, industrielle Kältetechnik, Beleuchtungssysteme und automatisierte Kontrolltechnik, aber auch Geräte wie Hochdruckreiniger, Solarmodule oder Computer. Eine sinnvolle Einordnung, findet Holk Schubert, Energiemanagementbeauftragter des Umweltdienstleisters und Rohstoffversorgers ALBA Group: „Wir gehen davon aus, dass der Mensch rund 80 Prozent der Energieeinsparung beeinflusst, etwa durch eine energiesparende Fahrweise oder eine vollständige Auslastung der Anlagen. Um die Potenziale zu heben, ist eine automatisierte Kontrolltechnik zur Visualisierung notwendig und im Nachgang eine genaue Analyse der Daten. Die im Arbeitsplan genannten Produktgruppen sind für uns tatsächlich ‚Dauerbrenner‘: Einige Unternehmen haben diese Technologien bereits gut im Griff, andere konzentrieren sich noch nicht genug auf die Reduzierung der Energieverbräuche.“ Der Verfahrenstechniker unterstützt seit mehr als sechs Jahren sowohl die unternehmenseigenen Standorte des Recycling­dienstleisters als auch externe Unternehmen dabei, die Produktionsstätten auf Energieeffizienz zu trimmen.

Ziel aller Maßnahmen ist es stets, Energie und Ressourcen bei der Herstellung, beim Betrieb und bei der Entsorgung von energieverbrauchsrelevanten Produkten einzusparen. Das größte Potenzial in Deutschland sieht Energieexperte Holk Schubert in der herstellenden Industrie: „Aus unserer Erfahrung sind spezifisch meist zwischen 5 und 20 Prozent Energieersparnis zu heben. Oft gilt das sogar für neuere Anlagen, die wir extern betreuen. Meist dann, wenn ein günstiger Preis und eine schnelle Fertigstellung bei der Inbetriebnahme im Fokus standen. Dabei zahlt sich Energieeffizienz für Unternehmen immer auch finanziell aus.“ Trotz wirtschaftlicher Vorteile energiesparender Maßnahmen haben noch längst nicht alle Unternehmen ihre Produktionsstätten optimiert. Deshalb seien strengere rechtliche Vorgaben sinnvoll: „Ohne Duck passiert meist wenig“, so Holk Schubert. „Daher begrüße ich es, besonders auch als Mitarbeiter in einem und als Dienstleister für Großunternehmen, wenn der Gesetzgeber etwas nachhilft.“

800.000 zusätzliche Jobs möglich

EU-weit könnten die Maßnahmen aus dem Arbeitsplan der EU-Kommission zur Hälfte der nötigen Einsparungen bis 2020 beitragen, sind die Autoren überzeugt. Hersteller und Händler könnten zudem ab 2020 mit bis zu 55 Milliarden Euro zusätzlichem Umsatz und bis zu 800.000 zusätzlichen Arbeitsplätzen rechnen. Für Konsumenten ergeben sich bis zu 490 Euro geringere Energiekosten. Eine schnelle Umsetzung des Strategieplans würde ebenfalls dazu beitragen, die Energieversorgung zu sichern, indem der Import innerhalb der EU um 1,3 Milliarden Barrel Öl pro Jahr reduziert wird. Die EU-weiten CO2-Emissionen könnten dadurch um 320 Millionen Tonnen pro Jahr sinken. „Politisch ist auf jeden Fall einiges in Bewegung gesetzt worden. Ein solches Budget für den Bereich Energieeffizienz wie für den Zeitraum 2016 bis 2019 gab es zuvor noch nie“, sagt Holk Schubert.

Künftig will die EU-Kommission mit ihren Arbeitsplänen zum Ökodesign einen noch deutlicheren Schwerpunkt auf Kreislaufwirtschaft legen. So soll Ökodesign künftig auch verstärkt dazu beitragen, dass Produkte besser und vollständiger als bislang im Kreislauf geführt werden können. (KR)

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(Foto: Thomas Reimer/fotolia.com)


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