David Suermann, Gründer des Kölner Start-ups klardenker
Nachhaltigkeit im Porträt: klardenker

25.10.2018 – Messen ohne Abfall – eine Idee mit Zukunft

Das Kölner Start-up klardenker setzt sich für mehr Nachhaltigkeit bei kurzlebigen Events ein und konzipiert zum Beispiel wiederverwendbare Messestände.
Nachhaltigkeit im Porträt: klardenker

Messen ohne Abfall – eine Idee mit Zukunft

Nehmen wir ein Beispiel: Zur Internationalen Automobilausstellung im September 2019 erwarten die Veranstalter fast eine Million Messebesucher in Frankfurt am Main. Mehr als 1.000 Aussteller werden auf einer Fläche von rund 230.000 Quadratmetern neue Produkte und ihre Visionen von der Mobilität von morgen präsentieren. Nach zehn Tagen ist der ganze Spuk vorbei – und zurück bleiben Tonnen von Abfall. So wie nach jeder Messeveranstaltung. Stellwände, Böden, Deko-Materialien: Zahlreiche Stände haben bereits nach einmaligem Gebrauch ausgedient. Ein Zustand, den David Suermann ändern möchte.

„Viele Unternehmen wollen die Kosten für den Bau ihrer Messestände reduzieren, indem sie billige Wegwerf-Materialien einsetzen. Es ist höchste Zeit, dass diese extrem kurzlebigen Konzepte durch nachhaltige Ideen abgelöst werden“, sagt David Suermann, der selbst Karriere im Eventbereich machte und für die technische Planung von Großveranstaltungen verantwortlich war. Mit seinem 2017 gestarteten Unternehmen klardenker macht er sich jetzt für mehr Nachhaltigkeit in der Branche stark und entwickelt ressourcenschonende Lösungen für Messestände, die sowohl die Umwelt als auch das Budget der Kunden entlasten.

Kreative Ideen gefragt

Wie kann ein nachhaltiger Messestand konkret aussehen? „Ressourcen schonen – das bedeutet zuerst: wiederverwendbare Materialien einsetzen“, erläutert der Event-Spezialist. „Häufig wird im Messebau mit beschichteten Spanplatten gearbeitet. Sobald eine Ecke abbricht, kann man das ganze Möbelstück nicht mehr nutzen.“ Stattdessen empfiehlt er natürliches Holz, das einfach ausgebessert, neu gestrichen und beim nächsten Messeauftritt weiterverwendet werden kann. Von Teppichen, mit denen viele Messestände ausgelegt sind und die meist nur einmal genutzt werden, ist aus seiner Sicht grundsätzlich abzuraten: „Der Ressourceneinsatz, um den Teppich zu produzieren, zu liefern, auszulegen, wieder abzutransportieren und dann im besten Fall zu recyceln, lässt sich komplett vermeiden.“ Als Bodenbelag schlägt klardenker beispielsweise OSB-Platten vor – oder bezieht einfach die vorhandene Struktur des Hallenbodens kreativ in das Gestaltungskonzept mit ein.

Digitale Marketing-Gadgets mit Mehrfach-Nutzen

Fünf Mitarbeiter tüfteln bei der Kölner Erlebnismanufaktur mittlerweile an umwelt- und ressourcenschonenden Messeauftritten. Wichtig ist dem Team dabei eine frühzeitige, ganzheitliche Planung gemeinsam mit dem Kunden. Auch die Mehrfach-Nutzung digitaler Elemente wird von vornherein mitgedacht: So lassen sich viele Inhalte raumsparend und zeitgemäß über Live-Marketing-Gadgets wie Touchscreens oder Virtual-Reality-Anwendungen vermitteln. Diese sind dann auch nach der Messe einsetzbar, etwa im Vertrieb.

Langfristige Überzeugungsarbeit

Nachhaltiger Messebau – noch ist das ein Nischenmarkt. Doch das Interesse der Industriekunden wächst. Schließlich bietet das Konzept neue Chancen, die eigene Marke nachhaltig erlebbar zu machen. Und zugleich die Kosten zu reduzieren. „Ressourcenschonung ist nicht nur ein Gewinn für die Umwelt, sondern spart auch bares Geld“, sagt David Suermann. Durch ihr modulares Design können die klardenker-Bauteile für verschiedene Standgrößen eingesetzt und bis zu zehn Mal wiederverwendet werden. Weniger Materialeinsatz bedeutet auch geringere Logistik- und Transportkosten – zudem sollen möglichst kurze Wege zur Vermeidung von Emissionen beitragen. Ein konkretes Beispiel: Für den Fahrzeug-Innenausstatter Aluca konzipierte klardenker einen 400 Quadratmeter großen Messestand auf der IAA Nutzfahrzeuge 2018 in Hannover. Nach eigenen Angaben wurde der komplette Messestand in einem einzigen Lkw aus Köln angeliefert (ca. 525 Kilogramm CO2 je Strecke), das im Rahmen des Industrial Design verwendete Standard-Gerüst wurde lokal angemietet und geliefert (ca. 15 Kilogramm CO2 je Strecke). Bei der Messevor- und -nachbereitung fielen insgesamt lediglich 400 kg Abfall an. Allein durch den Verzicht auf einen Teppichboden dieser Größenordnung konnten rund 350 Kilogramm Abfall vermieden werden.

Berufliche Erfahrung für etwas Gutes einsetzen

Auch wenn noch viel Überzeugungsarbeit notwendig ist – David Suermann blickt optimistisch in die Zukunft. Ganz abgesehen vom geschäftlichen Erfolg ist das Thema Ressourcenschutz für den Familienvater eine Herzensangelegenheit. „Wir alle tragen Verantwortung für die Zukunft unseres Planeten. Deshalb versuche ich im Privatleben auf Umweltschutz zu achten – und möchte auch meine berufliche Erfahrung für etwas Nachhaltiges und Gutes einsetzen.“ (KTH)

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(Foto: @klardenker)


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