Nachhaltigkeit im Porträt: memo AG

13.06.2017 – Grüne Lösung für den Paketversand

Nachhaltigkeit im Porträt: Die memo AG bietet nicht nur nachhaltige Büroartikel – für den Versand nutzt der Händler Mehrweg-Boxen aus Recyclingkunststoff.
Nachhaltigkeit im Porträt: memo AG

Grüne Lösung für den Paketversand

„Ganzheitlich nachhaltig zu denken ist nicht nur sinnvoll, sondern macht uns als Unternehmen auch glaubwürdig“, sagt Lothar Hartmann, Leiter Nachhaltigkeitsmanagement bei der memo AG. Seit rund zehn Jahren agiert der Versandhändler aus Greußenheim bei Würzburg beispielsweise klimaneutral. Für die Wärmeversorgung des Firmengebäudes sorgt eine eigene Hackschnitzel-Heizanlage, die Stromversorgung erfolgt mit 100 Prozent Ökostrom. Zudem ist der Händler mehrfach zertifiziert – neben Umwelt- und Qualitätsmanagementstandards erfüllt das Unternehmen auch die Kriterien von Produktzertifizierungen wie FSC, der EG-Öko-Verordnung sowie dem Global Organic Textile Standard GOTS.

EU-Ware und Blauer Engel bevorzugt

Um zu gewährleisten, dass die Produkte im Sortiment wirklich nachhaltig sind, durchläuft jeder neue Artikel bei memo einen umfangreichen Aufnahmeprozess: Zunächst wird er hinsichtlich des Materials, der Verpackung, Energieeffizienz, Sozialverträglichkeit oder Recyclingfähigkeit untersucht. Bevorzugt werden solche Produkte gewählt, die anerkannte Zertifizierungen besitzen oder Umweltzeichen wie den Blauen Engel tragen – aktuell haben mehr als 50 Prozent der Artikel im Sortiment ein Umwelt-Siegel. Und: Wenn möglich, bevorzugt memo Produkte, die aus Deutschland und Europa stammen. „Dadurch gelingt es uns, den persönlichen Kontakt zu den Lieferanten besser und nachhaltiger zu pflegen und unsere Partner-Unternehmen einfacher zu besuchen.“

Auslieferung per Lastenrad in Berlin

Logistik zählt ebenfalls zu den zentralen Bausteinen im Nachhaltigkeitsengagement bei memo. „Als Versandhändler können wir auf den Transport von Waren nicht verzichten“, erklärt Hartmann. „Doch damit sind naturgemäß Umweltauswirkungen wie der Verbrauch von Verpackungsmaterial oder Treibhausgasemissionen verbunden.“ Besonders die „letzte Meile“ rückt das Unternehmen in den Fokus – die finalen, meist besonders emissionsintensiven Meter, die ein Paket im städtischen Raum zum Empfänger zurücklegt. Um die negativen Auswirkungen beim Versand so weit wie möglich einzudämmen, setzt das Unternehmen auf Versandpartner, die nachweislich nach ökonomischen, ökologischen und sozialen Kriterien handeln.

Und auf jene, die wegweisende Geschäftsmodelle anbieten: Seit September 2016 nutzt das Unternehmen die Dienste eines Radlogistikers, um seine Pakete auf der letzten Meile innerhalb des Berliner S-Bahn-Rings auszuliefern. „Damit reduzieren wir nicht nur Abgase, sondern vermeiden die Lärmbelästigung und lösen ein Stück weit die Parkplatzproblematik in der Stadt“, erklärt Lothar Hartmann. Weitere Vorteile der Kooperation: In Berlin dürfen Lastenräder neben den Fahrradwegen auch die Busspur nutzen und Einbahnstraßen entgegen der Fahrtrichtung befahren. Aktuell liefert memo rund 1.000 Pakete pro Monat per Elektrolastenrad aus. Künftig soll das Modell auch in anderen Städten für die Last-Mile-Logistik genutzt werden.

Mehrweg-Versandboxen aus Recyclingkunststoff

Die Versandverpackung ist ein weiteres wichtiges Puzzlestück in der nachhaltigen Logistik. memo beschreitet dabei mit der „memo Box“ Pionierpfade – ein bislang deutschlandweit einzigartiges Mehrweg-Versandsystem, das Gewerbekunden und privaten Endverbrauchern als Alternative zu Pappkartons für den Warenversand, darunter auch die Retouren, zur Verfügung steht. 2014 wurde das System mit dem Blauen Engel ausgezeichnet.

Seit vergangenem Jahr ist die „memo Box“ noch nachhaltiger. Denn inzwischen werden die neu in Umlauf gebrachten Boxen aus dem prämierten Recyclingkunststoff Procyclen hergestellt. Der Einsatz von Procyclen in der Herstellung reduziert die Produktions-Treibhausgasemissionen um bis zu 30 Prozent. Das Material stammt aus der Innovationsschmiede von Interseroh, einer Tochter des Recyclingspezialisten ALBA Group.

Partnerschaft für ressourcenschonende Logistik

Die Recyclingvariante der „memo Box“ ist zwar neu, doch die beiden Partner arbeiten schon seit rund zehn Jahren zusammen. Interseroh kümmert sich für den Versandhändler um die gesetzlichen Rücknahme- und Verwertungspflichten der Transport- und Produktverpackungen: „Als wir für die ‚memo Box’ nach geeignetem Recyclingmaterial suchten, war Interseroh sofort Feuer und Flamme und stand uns zur Seite“, so Hartmann. So erarbeitete der Recyclingexperte direkt mit dem Hersteller der Boxen die technischen und qualitativen Anforderungen des Sekundärmaterials. Schließlich durfte der Behälter beim Fallen nicht brechen, musste einfach verschließbar sein und sollte sich weder verziehen noch verbiegen. „Für Recyclingprodukte ist das eine große Herausforderung“, weiß Hartmann.

„Wir erhalten nur positive Rückmeldungen“

Die „memo Box“ aus Procyclen kommt an – sprichwörtlich. „Wir erhalten für die Box nur positive Rückmeldungen. Unsere Kunden freuen sich, eine Option zu haben, bei der sie Ressourcen sparen und die Umwelt schonen“, so Lothar Hartmann. Anerkennung für die „memo Box“ gibt es auch von offizieller Stelle. 2017 wurde die memo AG mit dem Nachhaltigkeitspreis Logistik von den Bundesvereinigungen Logistik (BVL) Österreich und Deutschland ausgezeichnet.

Inzwischen hat die erste Generation der „memo Box“ bereits 160 Umläufe geschafft, ein Ende ist nicht in Sicht. Und wenn die Kisten doch einmal aussortiert werden müssen, dann steht für Lothar Hartmann fest, was mit ihnen geschehen wird. Natürlich gelangen sie als sortenreiner Wertstoff ins Recycling. (KR)

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3. dvi: Intelligente Verpackungen recyclingfähig gestalten

(Foto: ALBA Group)


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