Neue Studie des Umweltbundesamtes

06.12.2017 – Demografie trifft Abfallwirtschaft

Der demografische Wandel setzt die Abfallwirtschaft unter Anpassungsdruck. Eine Studie des Umweltbundesamtes zeigt Probleme und Wege zur Lösung der Aufgaben.
Neue Studie des Umweltbundesamtes

Demografie trifft Abfallwirtschaft

Anhand von vier Fallstudien hat das UBA praxisnah Hemmnisse und Lösungsansätze erforscht. Dabei wurden die beiden wachsenden Modellkommunen, das Land Berlin und der Landkreis Groß-Gerau, untersucht sowie als Beispiel schrumpfender Kommunen die Landkreise Mecklenburg-Vorpommern und Greiz. Ergebnis: Die regional sehr unterschiedliche Bevölkerungsentwicklung hat für die Abfallwirtschaft Auswirkungen in den Tätigkeitsfeldern Abfallaufkommen, Logistik und Anlagenpark, aber auch das alternde Personal und sich verändernde Gebühreneinnahmen stehen im Fokus.

Wachsen, schrumpfen, altern

Bis zum Jahr 2035 wird die Bevölkerung in fünf Bundesländern wachsen, in elf Bundesländern geht sie zurück. Die Gesamtbevölkerung im Alter von 20 bis 65 Jahren wird von 49,8 Mio. 2015 auf 43,9 Mio. 2035 und dann auf 39,6 Mio. 2060 schrumpfen, eine Entwicklung die auch durch die jüngste Zuwanderungswelle nur gering gebremst werden kann. Während heute 17,3 Mio. Menschen in Deutschland 65 Jahre und älter sind, werden es laut Statistischem Bundesamt im Jahr 2060 23,7 Mio. sein. 2050 werden die Hochbetagten (>80 Jahre) einen Anteil von 13 % an der Bevölkerung stellen.

Effiziente Logistik gefragt

Vor allem in ländlichen schrumpfenden Gebieten steigen die Anforderungen an die Logistik, etwa durch längere Transportwege und veränderte Servicedienstleistungen. Sinkende Abfallmengen und kleinere Haushalte mit minimierten Behältnissen erfordern eine effiziente Logistik, die zu ansteigenden Abfallgebühren führen kann. Auch die getrennte Abfallerfassung, die eine Voraussetzung für hochwertiges Recycling ist, gerät stärker in den Blick. Denn mit dem hohen Anteil älterer Menschen werden haushaltsnahe Dienstleistungen wie der Abtransport von Sperrmüll und Wertstoffen aus der Wohnung notwendig. Gleichzeitig altert auch der Personal der Entsorgungsbetriebe, während die Anforderungen steigen.

Leitfaden für die Praxis

Nicht zuletzt kann der Rückgang der Bevölkerung auch zu Gebührenausfällen führen, die finanzielle Konflikte nach sich ziehen.

Bei steigenden Abfallmengen, vor allem in den Städten, erhöht sich unter anderem der Platzbedarf für die Abfallbehälter. Mehr Abfall führt aber nicht unbedingt zu größeren Anlagenparks. Denn erfolgreiche Maßnahmen zur Abfallvermeidung und ein besseres Trennverhalten können die Erweiterung der Anlagenparks umgehen.

Die Studie ist als Leitfaden für die Praxis aufbereitet. Der Leitfaden stellt an vielen Beispielen Maßnahmen und Handlungsempfehlungen vor und gibt Anregungen für frühzeitige Weichenstellungen in den Problemfeldern der Abfallwirtschaft. (MW)

Quelle: https://difu.de/publikationen/2017/auswirkungen-des-demografischen-wandels-auf-die-kommunale.html

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(Foto: animaflora/fotolia.com)


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